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Die Armen hungern oder werden Fettleibig

Laut dem OECD-Landwirtschaftsbericht 2019 werden in Südamerika und der Karibik schon jetzt 23 Prozent der Weltweiten Landwirtschafts- und Fischereiexporte erzeugt. Bis 2028 könnte der Prozentsatz auf 25Prozent steigen. Nur auf den ersten Blick eine positive Bilanz. Auch Global gehen neue Chancen mit Risiken einher.

Laut dem Agricultural Outlook 2019-2028 der Organisation für Entwicklung und Zusammenarbeit  in Europa (OECD) und der Welternährungsorganisation FAO wird die globale Agrarproduktion in den kommenden 10 Jahren etwas schneller wachsen als die Nachfrage. Die Weltweite Nachfrage wird um etwa 15 Prozent zunehmen. Die Nahrungsmittelpreise sollten aber dennoch stabil bleiben, weil laut Meinung FAO- und OECD-Experten die Produktivität der Landwirtschaft schneller steige als die Nachfrage.

  • Entscheidend ist die Produktionsmethode

    Aber auf die globale Landwirtschaft kommen neue Herausforderungen zu. «Die Art und Weise, wie diese Nachfrage gedeckt wird, entscheidet darüber, welche Auswirkungen der Sektor auf die natürlichen Ressourcen hat, insbesondere Land, Wasser und Artenvielfalt», schreiben FAO-Generaldirektor José Graziano da Silva und OECD-Generalsekretär Angel Gurría im Vorwort zum Bericht.

    Wie nicht anders zu erwarten, wird ein Grossteil der gesteigerten Nachfrage aus den Regionen mit höherem Bevölkerungswachstum stammen. Namentlich den Ländern südlich der Sahara, aus Südasien sowie aus dem Nahen Osten und Nordafrika. Der Bedarf an Getreide der Menschen (ohne Futtermittel)  soll um rund 150 Millionen Tonnen zunehmen. Ein Anstieg von 13 Prozent.  Insbesondere Reis und Weizen werden vermehrt gefragt sein.

  • Lateinamerika und Karibik im Fokus

    Dieses Jahr stehen Lateinamerika und die Karibik im Fokus des Berichts. Schon jetzt produzieren die Länder Lateinamerikas und der Karibik 14 Prozent der Nahrungsmittel auf der Welt. Der Anteil an den globalen Exporten liegt bei 23 Prozent und könnte bis 2028 auf 25 Prozent steigen. Trotz des beeindruckenden Wachstums haben aber ausgerechnet die Länder dieser Region mit der Ernährungsunsicherheit zu kämpfen, da sich viele Haushalte die benötigten Lebensmittel nicht leisten können. Durch die Industrialisierung der Landwirtschaft verlieren zahlreiche Landarbeitende und Buernfamilien ihr Einkommen. In den Städten mangelt es an Jobs. Aus diesen und anderen Gründen hat die extreme Armut grosser Teile der Bevölkerung in der Region seit 2015 deutlich zugenommen. Zudem werden die natürlichen Ressourcen durch die Industrielle Landwirtschaft verstärkt ausgebeutet.

  • Keine Nachhaltigkeit ohne Gerechtigkeit

    OECD und FAO betonen, dass es von Entwicklungen in den Bereichen Ernährung, Umweltschutz, soziale Sicherung und in der Unterstützung von Existenzgrundlagen abhänge, ob das Wachstum der Agrarproduktion künftig einen nachhaltigeren Weg einschlage.  „Es ist von größter Bedeutung, sicherzustellen, dass das Einkommen der ärmsten Gemeinden wächst – eine Herausforderung, bei der die landwirtschaftliche Entwicklung eine wichtige Rolle spielt.“ Der Bericht sieht in der Region „starke Wachstumschancen“ für die Erzeugung hochwertiger Obst- und Gemüsesorten, die insbesondere den Kleinbauern bessere Chancen und der Bevölkerung eine gesündere Ernährung sichern würden. Dem steht aber die Politik von Ländern wie Brasilien im Weg, die Rücksichtslos den Regenwald für grosse Soja und Mais-Monokulturen roden lässt. Eine gezielte soziale und ökologische Politik könnte Landwirten und Konsumenten helfen, das Wachstumspotential bei Obst und Gemüse zu nutzen und gleichzeitig die natürlichen Ressourcen zu bewahren, so der Bericht. Chancen zu nutzen und gleichzeitig die natürlichen Ressourcen zu schützen, so das Fazit. Ausserdem seien verbesserter Zugang zu Bildung, günstigen Krediten  und seriöser Beratung zwingende Voraussetzungen dafür, dass Kleinbauern das grosse Potential effektiv nutzen können. Hier bekommen, was der Bericht nicht Erwähnt, Massnahmen, wie die Schweizer Konzernverantwortungsinitiative, die Bewegung für Agrarökologie der Ernährungssouverenität eine noch grössere Bedeutung.

  • Mehr Ertrag, auf gleich viel Fläche

    Global prognostiziert der Bericht Ertragssteigerungen und eine höhere Produktionsintensität durch technische Innovationen. Die Landwirtschaftliche Nutzfläche bleibe aber weltweit weitgehend konstant. obwohl die landwirtschaftliche Nutzfläche weltweit weitgehend konstant bleibt. Hier bestehen allerdings beträchtliche ökologische Risiken. „Die steigende Agrarproduktion ist auch mit höheren Treibhausgasemissionen verbunden, wobei fast ein Viertel aller Emissionen durch Land- und Forstwirtschaft sowie Landnutzungsänderung entstehen“, schreiben Graziano da Silva und Gurría. Die direkten Emissionen aus der Landwirtschaft, vor allem durch Nutztiere, Reisanbau und synthetische Düngemittel, werden im Prognosezeitraum jährlich um rund 0,5 Prozent zunehmen. Allerdings liegt das unter der Zunahme von durchschnittlich 0,7 Prozent der letzten zehn Jahre und dem prognostizierten Produktionsanstieg – Laut den Autorien des Berichts sinkt also die prozentuale CO2-Belastung durch die Landwirtschaft.

  • Unsicherheiten durch Krankheiten und Klima

    Es drohen den globalen Agrarmärkten auch zusätzliche Risiken. Für die Produzierenden sorgen die Ausbreitung von Krankheiten wie die Afrikanische Schweinepest, die zunehmende Resistenz gegen antimikrobielle Substanzen und extremer werdende klimatische Ereignisse. Bei der Nachfrage wirken sich einerseits Gesundheits- und Nachhaltigkeitsthemen auf die Ernährungsweisen in den privilegierten Weltgegenden auswirken. Nur scheinbar absurderweise, leiden gerade die Unterprivilegierten nicht mehr nur unter (zunehmendem) Hunger und Mangelernährung. Es besteht bei ihnen auch ein alarmierender Trend zur Fettleibigkeit durch Fehlernährung. Hier ist laut dem Bericht politisches Handeln gefragt. Der Konsum von Zucker und Pflanzenöl steigt, was den anhaltenden Trend zu Fertiggerichten und stärker verarbeiteten Lebensmitteln widerspiegelt. Insbesondere in Ländern mit schneller Urbanisierung und geringerem Einkommen. „In vielen Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen existieren diese Probleme Seite an Seite mit Unterernährung und Mikronährstoffmangel – eine dreifache Bürde der Mangelernährung“, warnt der Bericht.

  • Weiterführende Informationen

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