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Initiative “Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung” – Welche Konsequenzen für die Schweizer Landwirtschaft?

Artikel 104 soll geändert werden. Auch die Initiative “für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung” setzt bei der Landwirtschaft an und verlangt, dass sämtliche Subventionen gestrichen werden für Betriebe, die Pestizide einsetzen, Futtermittel zukaufen, präventiv Antibiotika geben.  Der Landwirtschaftliche Klub der Bundesversammlung lud zum Informationsanlass .

Im Archiv des Landwirtschaftlichen Klubs → finden Sie die Folien der einzelnen Präsentationen und hiernach eine Zusammenfassung der Referate und der Diskussion in Stichworten:


Franziska Herren (Initiantin der Trinkwasserinitiative):

  • Die Ziele sind sauberes Trinkwasser, gesunde Böden, saubere Luft.
  • 2000 Tonnen Pflanzenschutzmittel werden in der Schweiz jedes Jahr eingesetzt, 85-90% davon in der Landwirtschaft.
  • Noch 70% des Trinkwassers wird naturnah gewonnen und darf ohne aufwändige Aufbereitung verteilt werden.
  • 80% des Trinkwassers stammt aus dem Grundwasser. Es müssen weniger Pflanzenschutzmittel eingesetzt statt einfach die Grenzwerte erhöht werden!
  • Als Nebenwirkung der Pestizide findet ein Rückgang der Biodiversität statt, u.a. wegen dem Tod von Nützlingen, Bodenlebewesen etc.
  • 2017 wurden 1.2 Millionen Tonnen Futtermittel importiert: 50% des Schweizer Fleisches und 70% der Poulets werden mit Importfutter hergestellt.
  • Unsere Landwirtschaft degeneriert zu einer bodenunabhängigen Industrie, die stark vom Ausland abhängig ist.
  • Die Schweiz hat flächenbezogen den grössten Ammoniakausstoss Europas. 2/3 davon stammen aus der Landwirtschaft, und dort wieder 90% aus der Tierhaltung.
  • 38‘000 Kilogramm Antibiotika werden in der Schweizer Landwirtschaft jedes Jahr eingesetzt.
  • Die Ernährung müsste den Ernährungsempfehlungen des Bundes angepasst werden: Weniger Fleisch, mehr Pflanzliches, keine Lebensmittelabfälle.
  • Angesprochen darauf, dass als Konsequenz einer Annahme der Initiative die einheimische Landwirtschaft weiter zurückgehen würde und noch mehr importiert werden müsste repetierte Frau Herren, dass nicht nur die Produktion runter gefahren, sondern eben auch die Ernährung geändert werden müsse. Sie machte klar, dass sich darum andere kümmern müssen, die Trinkwasserinitiative geht das Problem über die Subventionen an.

 

Daniel Würgler (Eierproduzent und Mitglied des Gallo Suisse Vorstandes):

  • Bereits heute werden 75% der Hühner gemäss RAUS-gehalten.
  • In der Schweiz darf ein Betrieb höchstens 18’000 Legehennen haben.
  • 70% der in der Schweiz produzierten Eier basieren auf importierten Futtermitteln.  Aber das ist nur 75% des ganzen Konsums.  Wir haben also kein Überangebot.
  • Um 5 Millionen Eier herzustellen für 28’000 Konsumenten braucht sein Betrieb 75 Tonnen Futter pro Jahr.
  • Eine Produktion ohne Pestizide würde auch niedrigere Erträge bedeuten, da Menge und Qualität mehr schwanken würden. Wie viel weiter kann man solche Schwankungen geben?
  • Ein Biobetrieb mit 2000 Hennen heute kann ein gutes Lebensmittel herstellen, aber falls er die Futtermittel selber anbauen muss, muss er höchstwahrscheinlich die Fruchtfolge wechseln – und Futterkulturen anbauen.  Denn die Ställe sind gebaut und müssen amortisiert werden.
  • Der Betrieb hat 2 Möglichkeiten:  Er kann die Pestizide reduzieren und weiterhin Direktzahlungen erhalten oder er verzichtet er auf die Direktzahlungen und intensiviert dafür die Bewirtschaftung.

 

Cédric Guillod (Weinbauer, Praz, VD):

  • Natürliche Pestizide, die auf der schwarzen Liste der Greenpeace stehen, sollen in den nächsten 10 bis 15 Jahren eliminiert werden können. Dank neuer, resistenten Rebsorten.
  • 1 bis 3 kg Kupfer pro Hektare und Jahr werden gebraucht als Fungizid für die Behandlung nicht resistenter Rebsorten.
  • Zwar gibts immer mehr Biobetriebe (der Zuwachs ist bei 1 – 3% pro Jahr), aber die meisten arbeiten weiterhin mit “konventionellen Rebsorten”.
  • Der Bauer als Unternehmer muss ein Produkt herstellen, das sich auch verkaufen lässt – Wein von resistenten Sorten schmeckt anders als von konventionellen und werde noch nicht gefragt (die KonsuementInnen fragen nach Blauburgunder, Gutedel, Gamay, Merlot usw).
  • Herr Guillod sagt, die Landwirtschaft solle sich selber regeln.

 

André Olschewski (SVGW):

  • 50% der Trinkwasserversorgung wird durch den Schweizerischen Verein des Gas- und Wasserfaches gewährleistet.
  • Das Grundwasser muss geschützt werden: 80% unseres Trinkwassers kommt aus dem Grundwasser.
  • Der Aktionsplan Pflanzenschutzmittel ist nicht konkret genug.
  • Die Initiative hat aus unserem Trinkwasser ist einen brand gemacht, eine Marke.
  • Über die Initiative “für sauberes Wasser…”  wird vor der AP 22 abgestimmt.  Es sei deshalb sehr empfehlenswert, einen weniger radikalen Gegenvorschlag auszuarbeiten, sagt Herr Olschewski; Die SVGW stelle sich zur Verfügung, bei der Ausarbeitung beratend beizustehen.

 

Martin Rufer (SBV):

  • Die Initiative zielt auf Artikel 104 ab, nicht das Wasser – davon handelt Artikel 76.
  • Ohne importiertes Futter würde auch die Produktion wegfallen und der Import müsste steigen, möglicherweise aus Staaten, die ganz andere Standards haben als wir.
  • In Sachen Ökologie würde die Initiative international nichts bringen.
  • Wenn nur noch betriebseigenes Futter verfüttert werden darf, was passiert dann mit der Schotte, den Zuckerrübenschnitzel und Müllereiabfällen aus der Region?  Was passiert mit diesen Abfällen, wenn sie nicht mehr verfüttert werden dürfen?
  • Die von der Initiative angesprochenen Probleme sind vorhanden.  Pflanzenschutz, Biodiversität, Futtermittelimporte, Antibiotikaeinsätze für Nutztiere.  Aber Strategien und Massnahmenpläne existieren bereits. Die müssen umgesetzt werden, damit mit Resultaten argumentiert werden kann.

 

Voten während der Diskussion:

  • Als Folge der Annahme der Initiative würde die lokale Landwirtschaft weiter zurückgehen.  Herr Bourgeois fragt Frau Herren, ob sie sich bewusst sei, dass mit der daraus folgenden Importerhöhung die Umweltschäden nicht abnehmen würden.
  • Heute dürfen Antibiotika nur noch auf Verordnung des Tierarztes präventiv abgegeben werden.  Es gibt bereits einen klaren Rückgang der “kritischen” Antibiotika, also derer, die auch im Humanbereich eingesetzt werden.  “Bei Antibiotika sind wir weiter als in andern Orten”, so ein Parlamentarier.
  • Gentechnik ist nicht die Antwort auf das Pestizidproblem.
  • Welche Punkte wäre der SBV bereit, in einem Gegenvorschlag aufzunehmen um den Bedürfnissen der Bevölkerung entgegen zu kommen?  Ein Gegenvorschlag sei nicht nötig, da auf Gesetzesebene kein Handlungsbedarf bestehe.  Es müssen lediglich die Strategien und Massnahmen wie geplant umgesetzt werden.
  • Wir brauchen resistente Pflanzen, eine starke Forschung und eine gute Kommunikation um die Resultate zu kommunizieren.
  • Welche Anforderungen würde Frau Herren an die Unmengen Lebensmittelimporte stellen, wenn lokal noch weniger produziert wird? Man müsse nicht mehr importieren sondern die Ernährung anpassen. Nur 15% der Futtermittel würden importiert, aber 50% des Fleisches würde daraus gemacht.
  • Die Initiative stellt keine Anforderungen an Importprodukte.  Sie knüpft Direktzahlungen an Konditionen.  Importe müssen nachhaltig produziert sein, darüber hat man im September 17 bereits abgestimmt.
  • Was schlägt der SVGW vor?
  • Von Seiten des SVGW muss der Schutz des Trinkwassers in der Raumplanung, den Verkehrsflächen, und auch den Fruchtfolgeflächen eingeplant werden.
  • Für qualitativ gutes Trinkwassers sollen keine löslichen Pflanzenschutzmittel ins Grundwasser kommen.
  • Die Initiative kann nicht zurückgezogen werden, wenn gleichzeitig Grenzwerte so massiv erhöht werden sollen.
  • Das Unbehagen in der Bevölkerung ist vorhanden, der SBV kann nicht einfach NICHTS machen.  Der Unmut ist zu gross.
  • Wieso werden Gesetze nicht umgesetzt?
  • Es wird viel zu wenig in den Boden investiert, ohne Pestizide würde die Produktion nicht zurück gehen.
  • Der Schweizer Bauernverband soll zeigen, was möglich ist, positive Beispiele hervorheben, die es gäbe!

 

Schlussworte von Markus Ritter:

  • Wir brauchen eine überbetriebliche Zusammenarbeit.
  • Wir wollen und sollen etwas tun:
    • Herbizide:  statt Herbiziden kann Unkraut z.B. mechanisch, durch Roboter, bekämpft werden,
    • Insektizide: Nützlinge wie Schlupfwespen können z.B. gegen Zünsler eingesetzt werden
    • Fungizide: sind bei resistenten Sorten kaum mehr nötig, doch dazu brauchen die Forschung.
  • Diskussion = Chance, gemeinsam besser zu werden.

 

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