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Jagdverbot im Im Kanton Zürich?

Bis vor kurzem wusste kaum ein Mensch in der Schweiz, das die Parteienlandschaft durch eine neue Organisation bereichert ist. Das wird sich in den nächsten Monaten radikal ändern. Mit der Jagdverbotsinitiative für den Kanton Zürich wird die Tierpartei Schweiz TPS mit einem Schlag nationale Bekanntheit und vermutlich einen massiven Mitgliederzuwachs erreichen. Die Argumente der Jagdgegner sind eigentlich alter Wein in neuen Schläuchen. Dennoch hat die Initiative mit dem Titel „Wildhüter statt Jäger“ im urban geprägten Kanton Zürich durchaus Chancen. Denn je naturferner die Bevölkerung, um so unpopulärer die Jagd. Und durchaus nicht nur bei Vegetariern. Entsprechend bereitet die Initiative Jägern und auch Umweltschützern nicht nur auf kantonaler und nationaler Ebene erhebliches Bauchweh.

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  • Wildhüter jagen auf Steuerkosten

    Die, bis anhin völlig unbekannte, Tierpartei Schweiz (TPS) fordert „Wildhüter statt Jäger“. Dabei geht es nicht wirklich um ein Jagdverbot. Nur sollen «die Rote Arbeit» zukünftig, wie im Kanton Genf, Wildhüter auf Steuerzahlerkosten erledigen, statt Milizjäger auf eigene Rechnung. Die öffentliche Schätzung, dass die 1500 Jägerinnen und Jäger im Kanton Zürich durch diese Arbeit öffentliche Ausgaben von bis zu 25 Millionen im Jahr übernehmen, wird getrost vergessen oder als reine Schönwettermacherei abgetan. Die Natur, so die naive Überzeugung der – meist urbanen – Jagdgegner, würde sich, wenn der Mensch nicht eingreift, eben selbst regulieren. Als Beispiel führt die TPS das Beispiel Nationalpark und den Kanton Genf an, wo die Ziviljagd seit 1976 verboten ist. Bis heute verklären Schweizer und deutsche Tierschützer und extremistische Tierrechtler das Genfer Jagdverbot als Erfolgsgeschichte.

    Dabei belegt das Beispiel Genf, dass die Natur sich durch die unwiderruflichen, massiven Eingriffe der Menschen in die Natur, hier bei uns im zersiedelten Zentraleuropa gar nicht mehr selbst regulieren kann.
    Zum Beispiel Fasan, Feldhase und Rebhuhn waren in Genf schon kurz nachdem zivilen Jagdverbot praktisch verschwunden. Zum Beispiel gab es 1974 in Genf noch etwa 400 Rebhühner. Heute sind sie, trotz der Auswilderung von über 3000 Exemplaren praktisch ausgestorben. Grund: Nachdem durch eine Impfkampagne die Tollwut besiegt wurde, stellten die Genfer Staatsjäger die Fuchsjagd ein. Meister Reineke ist aber der natürliche Fressfeind der Rebhühner, bediente sich an der Population und vermehrte sich im Gegensatz zu den gefährteten obengenannten Tierarten prächtig. Mit den – in der Natur üblichen Folge – dass in den 90er Jahren fast alle Genfer Füchse qualvoll an einer Räude-Epidemie zugrunde gingen, worauf die Hasenpopulation derart explodierte, dass Meister Lampe massive Kulturschäden verursachte. In einer völlig absurden „Umsiedlungsaktion“ deportierte der Kanton Genf daraufhin 200 Hasen nach Frankreich und in den Kanton Wallis. Auch den Kaninchen ging es an den Pelz. Allerdings weit ruppiger. 1’600 der possierlichen Hoppler wurden von den Staatsjägern geschossen. Und sind mittlerweile, wo die Füchse sich von der Räude erholt haben, faktisch ausgerottet.

    Auch die Behauptung der Tierschützer, dass sich erst durch das Verbot der Privatjagd die Hirsche und Rehe gesund im Kanton vermehren konnte ist reiner Aberglaube. Vor und nach dem Verbot der Privatjagd gab es in der Region schlicht kaum Schalenwild (Reh, Hirsch, Wildsau). Hirsche gab es überhaupt nicht und Wildsäue wurden maximal 10 pro Jahr von den Privatjägern geschossen. Im letzten Jahr waren es fast 500! Im kleinen Stadtkanton Genf! Die massive Zunahme der Wildschweinbestände, gegen die Staatsjäger und Ziviljäger gleichermassen verzweifelt ankämpfen, ist Folge der milden Winter und der massiven Subventionierung von Raps, Mais und Soja in der EU. Dadurch ist das Futterangebot für die Sauen so gut, dass sich die Population ohne Bejagung jährlich verdreifachen würde.

    Derartige Desaster der „Selbstregulierung“ in Genf könnte man noch Dutzendweise anführen. Kurzum wird im «jagdfreien» Kanton Genf tatsächlich deutlich intensiver gejagt, als in den angrenzenden Kantonen. Und das kostet in dem kleinen Kanton den Steuerzahler eine Million Franken pro Jahr. Bei der – objektiv weniger aggressiven und erfolgreicheren – Bejagung durch 400 Ziviljäger kassierte der Kanton noch eine Viertelmillion Franken für Jagdpatente.

  • Jagen und Tierwohl

    Die Zürcher Initiative ist keineswegs Chancenlos. Je ferner die Menschen von Schnittstelle von Wildnis und Kulturland, wo die Jagd eigentlich stattfindet, umso schlechter das Image der Jägerei. Der Widerwille gegen Jägerinnen und Jäger beschränkt sich übrigens keineswegs auf Vegetarier. Auch Menschen die unbedenklich billiges Qualzuchtfleisch in die Pfanne hauen, ereifern sich über Jägerinnen und Jäger als herzlose Bambimörder. Und die Medien stürzen sich mit Begeisterung auf extreme Einzelfälle von weidmännischem Fehlverhalten um das verbreitete Vorurteil auflagen- und quotenfördernd zu nähren. Wie zum Beispiel die Rundschau, die im Oktober zwei völlig unfähige Bünder Weidmänner, einer davon berufsmässiger Wildhüter, bei der dilettantischen Nachsuche nach einer verwundeten Hirschkuh begleiteten. Oder der Fall, der sich vor einigen Wochen im deutschen Niedersachsen ereignete: Ein recht betagter Grünrock schoss versehentlich ein Pony, weil er es trotz lichtstarkem Zielfernrohr und vergleichsweise guten Sichtverhältnissen für ein Wildschwein hielt.

    Wer nicht in der Lage ist, Wild korrekt anzusprechen (bestimmen, welches Tier, welches Geschlecht, trächtig oder führend – kurz ob jagdbar oder nicht), oder blindwütig in der Gegend herumballert wie das Bündner Dusselduo aus der Rundschau, gehört selbstredend (und wird in der Regel auch) aus dem Verkehr gezogen. Aber solchen Einzelfällen steht eine riesige Masse von sich korrekt verhaltenden Weidmännern und -frauen gegenüber, die eben nicht nur Tiere töten sondern unschätzbare Hegearbeit leisten. Angefangen bei der Kitzsuche und Rettung vor den Heu- und Ernteeinsätzen der grossen Mähdrescher, über den Schutz bedrohter Flora, wie dem vom aussterben Bedrohten Buchsbäumen, und Fauna der dem dem Notfallmässigen Einsatz bei Wildtierunfällen im Strassenverkehr.

    Schliesslich sind wir nicht in Alaska oder Sibirien, wo immer noch riesige unbewirtschaftete Flächen – eben Wildnis – existieren. Hierzulande sähe es ohne die Regulierung insbesondere der Hirschbestände in den Bergen, düster aus, für die Lawinenschutzwälder und damit dem Tourismus, so manche Berggemeinde und dem alpenquerendem Fernverkehr.

    Die Jagdgegner glauben, dass genügend grosse Wolfsrudel die Hirschpopulation schon regeln würden. Doch der Wolf jagt nicht, wie der Jäger, was er soll und muss, sondern was leicht zu haben ist. Bei einer entsprechend grossen Wolfspopulation würden die Massnahmen zum Herdenschutz bis ins Unterland so aufwändig, dass Weidehaltung gerade für kleinere Bauernbetriebe schlicht nicht mehr finanzierbar wäre. Schluss also mit guter Alpenmilch von glücklichen Kühen.

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