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2 x Nein

von Markus Müller, Landwirt in Trutigen (Sempach). Er erklärt, kurz und bündig, weshalb seine Familie gegen die beiden Initiativen ist:

Die Pestizidinitiative fordert den Verzicht von synthetischen Pflanzenschutzmitteln.

Dies führt dazu, dass Lebensmittel durch Pilze und Schädlinge geschwächt werden und so die Schweizer Lebensmittelproduktion verunmöglicht wird. Auch die Verarbeitung und Lagerung von Lebensmittel wird massiv erschwert, weil auch da keine Mittel gegen Mäuse, Ratten, Schaben usw. eingesetzt werden dürfen. Es ist auch fraglich, was mit Reinigungsmitteln und Desinfektionsmitteln geschieht, da diese oft auch synthetische Komponenten enthalten.

Es wird soweit kommen, dass die Bauern, die es sich durch ihre Grösse leisten können, ihre Produktion herunterfahren und nur noch Subventionen vom Bund kassieren.

Bauern, die weiterhin hochwertige Lebensmittel produzieren wollen, wird dies verunmöglicht, da der Druck durch Krankheiten und Schädlinge dies verhindert oder weil der Einsatz von synthetischen Pflanzenschutzmitteln massiv erhöht werden muss.

Ebenso falsch ist die Trinkwasserinitiative.

Der Stoffkreislauf nur auf den Betrieb zu reduzieren ist falsch, da mit der Lebensmittelproduktion auch Nährstoffe den Betrieb verlassen. Dies führt über lange Zeit dazu, dass die Böden verarmen und am Schluss unproduktiv werden.

Dieses Problem wird heute schon weltweit mit der Versteppung von Kulturland wahrgenommen. Mit der tierischen Produktion können wir hochwertige Lebensmittel produzieren und mit der Produktion von Gülle und Mist, Boden und Pflanzen ernähren (Terra preta).

Leider ist in den letzten Jahrzehnten dieses Wissen verloren gegangen.

Die Einschränkungen bei den antibiotischen Arzneimitteln wird dazu führen, dass kranke Tiere nicht oder erst spät behandelt werden, was im Widerspruch zur Sorgfaltspflicht im Tierschutzgesetz steht. Es gibt heute schon Ideen/Projekte, die auf Antibiotika verzichten wollen und Tiere nach langem Leiden eingeschläfert werden, weil sie nicht mehr zu retten sind.  

Profiteure dieser beiden Initiativen sind Nahrungsmittelmultis und die Gentechnikbefürworter. Die Nahrungsmittelmultis können sich weltweit, auch von Entwicklungsländern, Nahrungsmittel holen und uns damit versorgen.

Die Gentechnikbefürworter argumentieren, dass man Pflanzen so manipulieren kann, dass sie gegen Krankheiten und Schädlinge resistent sind. Leider werden diese Befürworter die Verantwortung nicht übernehmen, wenn durch die Genveränderung Schäden auftreten werden.

Die richtige Politik wäre:

  • Umweltverträgliche Pflanzenschutzmittel zu entwickeln. Dies wird aber durch hohe Kosten bei der Zulassung verhindert.
  • Mit dem Strukturwandel in der Landwirtschaft aufzuhören, da eine kleinstrukturierte, dezentrale Landwirtschaft Gefahren und Umweltrisiken minimiert.
  • Die Direktzahlungen/Subventionen zu limitieren, dies führt dazu, dass die Landwirtschaft auf unnötige teure Pflanzenschutzmassnamen verzichten wird.

Der Staat sollte eine nachhaltige Landwirtschaft fördern und nicht ein nicht nachhaltiges Faulenzen.

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  1. Rolf Lattmann Antworten

    Lieber Markus
    Deine Argumente gegen die beiden Initiativen sind recht gut. Die Trinkwasserinitiative liegt sowieso “schräg” in der Landschaft, und wie es aussieht, wird sie verworfen, Die Pestizidinitiative ist besser, weil sie die gleichen Bedingungen für die einheimische Produktion und die importiierten Lebensmittel verlangt, was sich aber in der Praxis noch erweisen muss, Zudem könnte die 10-jährige Frist für die Umstellung noch genutzt werden, um umweltverträgliche Pestizide zu erforschen und in den Verkehr zu bringen, Aber dazu muss der politische Wille vorhanden sein, und da sind Zweifel berechtigt: es ist zu befürchten, dass die Agromultis zuviel dreinreden, aber das Vorhaben hintendurch sabotieren, wenn es nicht genügend Profite abwirft. Wenn schon umweltverträgliche Pestizide entwickeln, so muss die Allgemeinheit federführend werden, weil sie auch die Kosten tragen muss.
    EIgentlich geht es im Kern nicht um die Gifte, sondern um die Frage, welche Landwirtschaft wollen wir? Meine Vorstellung: eine kleinräumige und vielfältige Landwirtschaft, mit einem direkten Kontakt zu den Konsument*innen, eine bessere Ausbildung, faire Preise und Solidarität zwischen Produzent*innen und
    Konsument*innen. Keine Monokulturen und Massentierhaltung, sondern Agrooekologie und Solidarische Landwirtschaft.
    Herzliche Grüsse
    Rolf Lattmann

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