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Nestlé ist gesundheitsschädlich

Zwei Drittel aller Standardlebensmittel aus dem Hause Nestlé sind sogar nach den laschen Vorgaben des internationalen Marktleaders ungesund. Bei anderen Nahrungsmittelkonzernen sieht es nicht besser aus.

Nestlé ist der weltweit grösste Nahrungsmittelhersteller. Aber auch in Sachen Eigenlob gehört der Konzern zur Weltspitze. Im Rahmen einer internationalen Kampagne die Nahrungsmittelkonzerne dazu bringen soll, freiwillige Verpflichtungen einzugehen, um Fettleibigkeit zu bekämpfen und eine gesündere Nahrung zu fördern, kommunizierte der Konzern vollmundig, «Unsere Reiserichtung hat sich nicht geändert und ist klar: Wir werden unser Portfolio weiterhin schmackhafter und gesünder gestalten». Schon Ex-CEO Peter Brabeck bezeichnete Nestlé als «Ernährungs-, Gesundheits- und Wellnessunternehmen».

Die Fakten sprechen allerdings eine deutlich andere Sprache. In einem, der Financial Times vorliegendem internen Papier muss Nestlé eingestehen, dass über 60 Prozent seiner gängigen Lebensmittel- und Getränkeprodukte keine «anerkannte Definition von Gesundheit» erfüllen und dass «einige unserer Kategorien und Produkte niemals ‚gesund‘ sein werden».

  • Lasche Richtlinien

    Dabei ist Nestlé mit seiner Definition von gesunden Nahrungsmitteln schon recht grosszügig.

    Internationale Gruppen wie die «Access to Nutrition Foundation» beurteilen die Gesundheit von Nahrungsmitteln nach der Skala des australischen Gesundheitsstern-Bewertungssystems. Dementsprechend gilt ein Nahrungsmittel als wirklich gesund, wenn es mit 5 Sternen bewertet wird. Nestlé betrachtet 3,5 Sterne als ausreichend gesund. Und selbst diese niedrige Hürde nehmen nur 37 Prozent der Lebensmittel und Getränkeumsatzes von Nestlé (ausgenommen Babynahrung, Tiernahrung, Kaffee und Lebensmittel für Menschen mit bestimmten Erkrankungen).

  • Wasser und Milchprodukte schönen die Bilanz

    Bei den Getränken (ohne reinen Kaffee) erfüllen 96 Prozent der Nestlé Produkte den Schwellenwert nicht. Noch schlimmer sieht es mit Süßwaren- und Eiscreme von Nestlé aus. Hier sind 99 Prozent der Produkte schlicht ungesund.

    Tatsächlich sah es bis vor kurzem mit der Gesundheit der Nestlé-Produkte deutlich schlechter aus. Mittlerweile erreichen immerhin 82 Prozent der Wässer und 60 Prozent der Milchprodukte den Schwellenwert von 3,5 Sternen. Sonst sähe die Bilanz weit trauriger aus. Verbesserungen in diesem Bereich sind wohl dafür verantwortlich, das Nestlé in einem Index der «Access to Nutrition Foundation» von 2018, unter den großen Lebensmittel- und Getränkeherstellern der Welt am besten bewertet wurde. Allerdings warnte die Foundation, dass “alle Unternehmen (auch Nestlé) viel mehr tun müssen”.

  • Reaktionen auf Konsument*innendruck

    Das wachsende Gesundheitsbewusstsein der Konsumenten und zusätzliche Regulierungen setzt die Lebensmittelkonzerne zumindest in bestimmten Sparten unter Druck. Weshalb die Nestlé-Führung überlegt, welche neuen Verpflichtungen sie im Bereich Ernährung eingehen soll und in diesem Jahr neue Pläne vorstellen will. Allen Ernstes wird in diesem Zusammenhang in Erwägung gezogen, dass die Gesundheitsstandards für Produkte wie Süßwaren schlicht fallen zu lassen. Es wäre unfair nicht zu erwähnen, dass – auf öffentlichen Druck – Nestlé den Zucker und Salzgehalt seines Nahrungsmittelportfolios in den letzten 20 Jahren verringert hat. Allein in den letzten Jahren um ca. 14 Prozent. Dennoch enthält Nestlés Nesquik mit Erdbeergeschmack, das in den USA verkauft wird, 14 g Zucker in einer 14 g Portion neben kleinen Mengen an Farb- und Aromastoffen. Kurz: das Milchmixgetränkepulver das von Nestlé als perfekter Start in den Tag für Kinder beworben wird ist praktisch reines Gift.

    Der Konzern behauptet, er arbeite an einem unternehmensweiten Projekt, um seine «bahnbrechende Ernährungs- und Gesundheitsstrategie zu aktualisieren». Der Konzern stellt sich als Nährer und Wohltäter der Massen hin: «Wir betrachten unser gesamtes Portfolio in den verschiedenen Lebensphasen der Menschen, um sicherzustellen, dass unsere Produkte dazu beitragen, ihren Nährstoffbedarf zu decken und eine ausgewogene Ernährung zu unterstützen.» Und rühmt sich damit, in den letzten Jahren tausende von Produkten für Kinder und Familien auf den Markt gebracht zu haben, die externen Ernährungsstandards entsprechen. «Wir haben auch Milliarden von Mikronährstoffdosen über unsere erschwinglichen und nahrhaften Produkte verteilt.»

    Marion Nestle (die Ähnlichkeit des Namens ist rein zufällig), emeritierte Professorin an der NYU und Gastprofessorin für Ernährungswissenschaften an der Cornell University, sieht das freilich anders: «Nestlé und ihre Konkurrenten würden Schwierigkeiten haben, ihre Portfolios insgesamt gesund zu gestalten. Die Aufgabe der Lebensmittelunternehmen ist es, Geld für die Aktionäre zu erwirtschaften, und zwar so schnell und in möglichst großer Menge. Sie werden Produkte verkaufen, die ein Massenpublikum erreichen und von so vielen Menschen wie möglich gekauft werden, die die Leute kaufen möchten, und das ist Junk Food.»

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