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Ökologisch durch den Alltag

Es geht um Mobilität, Ernährung, Foodwaste, Waschen, Plastik, Kleidung, Müll vermeiden, Heizen: Wie Sie mit geringem Aufwand ihre persönliche Ökobilanz massiv verbessern.

Nachhaltigkeit, Klimaneutralität, Artenvielfalt, Foodwaste und soziale Gerechtigkeit sind Begriffe, die zunehmend an Bedeutung gewinnen und zum Beispiel in der Schweiz vor allem junge Menschen in Rekordzahlen auf die Strasse treiben.

Es geht natürlich nicht an, alle Massnahmen zur Rettung der Menschheit den Normal- und Niedrigverdienenden per Gebühren, Zusatzsteuern und Verbote aufzuhalsen und Grossverdienende und Konzerne ungeschoren davonkommen zu lassen. Dennoch kommt jede und jeder Einzelne von uns nicht darum herum, das eigene Konsum und Umweltverhalten unter die Lupe zu nehmen und den Erfordernissen anzupassen. Eigentlich dürfte jeder Mensch auf der Welt nicht mehr als 2 Tonnen CO2-Emmissionen pro Jahr verursachen, um sich Klimaneutral zu verhalten. Ein durchschnittlicher EU-Bürger verursacht aber im Schnitt 9.1 Tonnen CO2 pro Jahr. Und dabei geht es nur um das Klimagas. Pestizide, Feinstaub und andere Umweltgifte sind da noch gar nicht mitgerechnet.

OK, wirklich Klimaneutral umweltneutral zu leben, wäre nicht einmal möglich, wenn wir uns in Grashütten hausend und in Pelze und Flechtwerk gewandet, als Jäger und Sammler durch die Büsche irrten. Der Planet gäbe auch gar nicht mehr genug Büsche, Wild und  Wildpflanzen her, um die Menschheit zu ernähren. Doch schon wenn man den grössten Konsumunsinn bleiben lässt, kann man seinen ökologischen Fussabdruck gewaltig verkleinern.

  • Mobilität

    Es ist der schiere Wahn: Man kommt nicht selten mit dem Flugzeug billiger (wenn auch durch Ein- und Auschecken nur unwesentlich schneller) von Zürich nach Berlin, als mit dem Zug. Doch gerade Kurzstreckenflüge belasten die Umwelt am stärksten, weil die Flugzeuge beim Start und bei der Landung am meisten Emissionen verursachen.

    Deshalb sollte man Kurzflüge durch Bus- oder Zugreisen ersetzen. Regionale Ferien sind in jedem Fall Fernreisezielen vorzuziehen. Gerade in der Schweiz haben wir das Glück, im In- und grenznahen ausland innert weniger Zugstunden von fantastischen hochalpinen Feriengebieten, bis zum sonnigen Mittelmeerstrand alles vorzufinden, was sich Ferienreisende nur wünschen können.

    Und falls man doch einmal fliegen muss, empfehlen sich Direktflüge, weil bei jeder Zwischenlandung nicht nur die Wahrscheinlichkeit des Gepäckverlustes steigt, sondern auch die Schadstoffemissionen.

    Der Umstieg von einem Diesel- auf ein Elektro- oder Hybrid-SUV, bringt unter dem Strich einen feuchten Kericht. Tatsächlich ist die individuelle Automobilität zwangsläufig ein Auslaufmodell. Obwohl wir uns hier wohl auf die grössten politischen Widerstände gefasst machen müssen: Carsharing und dergleichen werden eher früher als später zur nackten Notwendigkeit und sind schon heute sowohl privat als auch durch Dienste wie Mobility mühelos zu bewerkstelligen. Im Gegenzug muss natürlich der öffentliche Verkehr massiv ausgebaut und erschwinglich für jeden werden.

    Wer auf ein Auto oder Motorrad verzichtet und sich vor allem mit dem öffentlichen Verkehr, zu Fuss oder mit dem Velo fortbewegt, ist noch weit davon entfernt, sich mit einem zufriedenen Grinsen und guten Gewissen zurücklehnen zu können. In der Schweiz lebt man auch ohne Auto weit über seine ökologischen Verhältnisse und verbraucht deutlich mehr Ressourcen als gut für die Umwelt ist.

  • Ernährung

    Wir essen zum Beispiel eindeutig zu viel Fleisch. Der Fleischkonsum hat sich hierzulande seit den 50er Jahren verdoppelt. Laut verschiedenen unabhängigen Studien zum Beispiel von der FAO oder dem World Climate Institute, ist der größte Verursacher von Treibhausgasen die Massentierhaltung. Wobei die Betonung auf Massen liegt.

    Über 30 Prozent der Landfläche auf der Erde wird für Tierhaltung genutzt. Die jährlich 60 Milliarden(!) Stück Schlachtvieh verbrauchen einen Grossteil der globalen Wasservorräte. Der Löwenanteil der Abholzung der Regenwälder geht auf Kosten Futtermittelproduktion der industriellen Fleischproduktion. Wertvolles Getreide, dass auf einen Schlag den Hunger in der Welt beseitigen könnte.

    Das heisst aber nicht, dass man ganz auf Fleisch und andere tierische Produkte verzichten muss. In der Schweiz haben wir eine grosse Auswahl an biologisch und regional produzierten Fleisch und Milchprodukten aus ökologisch wenig problematischer Weidehaltung. Wer sich bewusst daran hält, kann sich durchaus mehrmals pro Woche Fleisch und täglich Milchprodukte gönnen. Trotzdem! Wer weniger Fleisch, dafür mehr regionales Gemüse, Obst, Getreide und Hülsenfrüchte isst, lebt nicht nur ökologischer, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit länger bei guter Gesundheit.

    Bei Fisch ist Vorsicht geboten. Nachhaltigkeitslabel, wie MSC, oder bei Bio-Zuchtfischen wird von den Produzenten – wie bei vielen Ökolabels – oft gemogelt. Dennoch ist es besser, gelabelte Fischprodukte zu essen, statt solche, die 100Prozentig aus den verheerenden, schwimmenden Fischfabriken oder der sogenannten Gammelfischerei stammen.

    Grundsätzlich gilt: So ökologisch und regional produziert wie möglich. Möglichst wenig oder keine Plastikverpackungen. Keine einzelverpackten Kleinstportionen (z.B. Kaffeerahm, Konfi, Butter Kaffeekapseln etc.) einkaufen. Genrell gilt: Je verbreiteter, je stärker verarbeitet, je mehr Inhaltsstoffe und je aufwändiger Verpackt, um so unökologischer ist ein Nahrungsmittel aus dem Supermarkt. Auch in den Städten gibt es Lieferdienste von Biobauern aus dem Umland, die zum Beispiel Eier, Fleisch, Käse, Gemüse etc. unverpackt frei Haus liefern. Und das ist keineswegs teurer als im Supermarkt. Dafür sparen sich die Bauern den Umweg über Verarbeitungsbetriebe und Grosshandel und machen mehr Gewinn.

  • Foodwaste

    Eine der schockierensten Meldungen der letzten Wochen in Bezug auf den Nahrungsmittelkonsum waren die Uno-Publikationen zum Thema Food Waste. Laut Unoquellen werden jedes Jahr ein Drittel aller durchaus essbaren Nahrungsmittel schlicht weggeworfen. Allein von diesem weggeworfenen Drittel könnte man 12 Milliarden Menschen, also die anderthalbfache Weltbevölkerung ernähren. Global verursachen zum Grossteil die industrielle Landwirtschaft, Nahrungsmittelindustrie und der Einzelhandel die Verschwendung. In den sogenannt entwickelten Ländern tragen aber auch die Privathaushalte massiv zum Foodwaste bei. Die Schweizer Privathaushalte liegen zum Beispiel mit 30 Prozent weggeworfener Nahrung im globalen Schnitt (Foodwaste durch die Industrie oder schon die Produzenten, die «B-Wahre» schlicht nicht verkaufen können. Dem kann man entgegenwirken, in dem man zum Beispiel das Mindesthaltbarkeitsdatum ignoriert. Das ist nämlich nicht gleich das Ablaufdatum. Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist lediglich eine Empfehlung. Das Essen wird ab diesem Zeitpunkt nicht schlecht und ist meist noch Tage, wenn nicht wochenlang Problemlos geniessbar. Hat man trotzdem zu viel, kann man die Lebensmittel sozialen Organisationen abgeben (https://foodsharingschweiz.ch).

    Sehr viel kann man auch mit dem Verzicht auf Abgefülltes Trinwasser leisten. In den meisten Schweizer Gemeinden hat das Leitungswasser Mineralwasserqualität, kostet einen pro Liter ein paar Rappen und ist zudem noch Klimafreundlich.Ein Liter Leitungswasser verursacht weniger als ein halbes Gramm CO2. Bei Mineralwasser aus der Flasche ist der Wert je nach Verpackung und Transportweg ein Vielhundertfaches.

  • Waschen

    Laut Greenpeace verbrauchen wir pro Tag im Haushalt rund 200 Liter Wasser. Auch hier kann man ohne gross zu verzichten sparen. Eine durchschnittliche Dusche verbraucht nur 50 Liter. Ein Vollbad in der Wanne das dreifache. Beim Zähneputzen den Hahn zuzudrehen, mag im Einzelfall nicht allzu grosse Einsparungen bringen. Doch die gesparte Wassermenge summiert sich mit der Zeit enorm. Ebenso, wenn man beim WC so kurz wie möglich spült (moderne WC-Kästen haben einen kleinen Knopf. Bei älteren kann man den Spülhebel wieder hochdrücken).

    Die Waschmaschine sollte immer richtig gefüllt sein. Ausserdem kann man bei kleineren Verschmutzung problemlos so kalt wie möglich Waschen (15 bis 30 Grad). Weichspüler sind regelrechte Giftcocktails und verschmutzen das Wasser mit Tensiden und anderen Giften. Als Ersatz für Weichspüler wird zum Beispiel Essig empfohlen. Der macht die Wäsche ebenfalls weich und ist zudem antiallergen.

    Erfreulich: Das Geschirrspülen mit der Maschine verbraucht weniger Wasser und Strom als das Spülen von Hand.

  • Plastik

    Im Schnitt verbrauchen wir jährlich in der Schweiz rund 42 Kilo Plastik pro Person. Diese Menge kann man einfach reduzieren. Wiederverwendbare Stofftaschen um Plastikbeutel zu ersetzen sind nur eine Möglichkeit. Beim Gemüsekauf im Supermarkt kann man auch verschiedene Gemüse separat wiegen und alles zusammen in einen Plastiksack stecken und alle Etiketten auf den Beutel kleben. Zu Plastikbechern, -tellern, -geschirr, -trinkhalmen etc. gibt es mittlerweile fast in jedem Supermarkt eine ökologischere Alternative.

  • Kleidung

    Statt Funktionskleidung aus erdölbasierten unverrottbaren Kunststoffen, tut es in den Meisten Fällen Wolle oder Baumwolle ebensogut. Und als atmungsaktiver Regenschutz eignen sich mit Wachs imprägnierte Stoffe ebensogut wie Goretex. Bedrückend ist, dass die, bei unter 80jährigen wohl beliebteste Hose – die Jeans -durch die massenhafte Baumwollgewinnung und die Bleichungstechnik, bei der vielfach giftige Gase austreten eines der unökologischsten  und auch unter den schlimmsten Bedingungen für die Arbeiterinnen und Arbeiter produzierten Kleidungsstücke überhaupt ist.

    Aber es gibt auch nachhaltige Jeans. Gute Marken sind zum Beispiel Nudie, armed angels oder Kuyichi.

    Eine ebenso bequeme wie robuste Alternative zum Jeansstoff sind Kleider aus Hanffasern. Die sind aber im Laden nur selten zu finden und auch nicht ganz billig.

    Wer die Zeit und den Nerv dafür hat, kann sich für wenig Geld in den zahllosen Brockenhäusern und Second Hand-Läden für sehr wenig Geld durchaus auch elegant kleiden.

  • Müll trennen und sortieren

    Das getrennte Sammeln von Altglas und Altpapier hat einen grösseren Effekt, als allgemein angenommen. Beides wird fast komplett wiederverwertet und spart Energie und Wasser. Ein Kilo wiederverwertetes Altglas entlastet das Klima so stark wie der Verzicht auf etwa 2,5 Kilometer Autofahrt. Bei wiederverwertetem Altpapier sind es sogar fast vier Kilometer.

  • Papier vermeiden

    Trotz Recycling: Jedes produzierte Blatt Papier führt zu CO2-Emissionen und Wasserverbrauch. Ohne viel Zutun lässt sich Papierverschwendung vermeiden. Mit dem «Stopp Werbung»-Aufkleber auf dem Briefkasten sparen Sie rund 30 Kilogramm Papier pro Haushalt und Jahr Jahr.

    Die Produktion von zehn Büchern mit jeweils 200 A5-Seiten verursacht rund drei Kilogramm CO2. Die allermeisten Bücher liest man nur einmal. Mittlerweile gibt es in den meisten Quartieren in Schweizer Städten Büchertauschstellen. Wer etwas für die Umwelt und Allgemeinbildung tun will, bringt seine Bücher (mit Ausnahme einiger Lieblingsbücher) zur Sammelstelle. Wer etwas für Bildung und gleichzeitig für die Umwelt tun möchte, der teilt darum besser seine Bücher. Über Tauschnetzwerke wie www.nachhaltigleben.ch/freizeit/bookcrossing-mit-buechertausch-ausgelesenes-auf-reisen-schicken-3040 erreichen die Bücher neue Leser, anstatt Zuhause im Bücherregal nach dem Lesen zu verstauben.

  • Heizen

    Um Energie zu sparen, sollten Heizkörper immer frei zugänglich sein, damit sie ihre volle Wärmeleistung in den Raum abgeben können. Vorhänge und Gardinen vor den Heizkörpern leiten einen Grossteil dieser Energie direkt übers Fensterglas nach draussen.

    Auch im Winter möchte man natürlich auf frische Luft in der Wohnung nichtb verzichten. Statt einzelne Fenster aufgekippt oder offen zu lassen, praktizieren Sie lieber das sogenannte Stosslüften: Alle Fenster und Türen mehrmals Täglich für einige Minuten öffnen um frische Luft hereinzulassen und dann wieder verschliessen. So wird die Luft zwar erneuert, aber die in den Wänden gespeicherte Wärme bleibt erhalten. Generell sollten Sie nicht über 20 Grad heizen.

    Auch bei niedrigen Raumtemperaturen, kann man sich Unter dem im Schlafzimmer selbst einiges an Wärme produzieren. Dabei empfiehlt es sich bei heterosexuellen Paaren die, ohnehin ungesunde Antibabypille, durch Latexcondome zu ersetzen. Latex ist ein natürlich nachwachsender Rohstoff und, sofern im Hausmüll und nicht in der Toilette entsorgt, ökologisch einigermassen unbedenklich. Die in der Pille enthaltenen Hormone hingegen gelangen über das Urin ins Abwasser und damit in den Wasserkreislauf, denn das synthetische Östrogen kann in den Kläranlagen nicht herausgefiltert werden. Das führt mittlerweile, neben dehn im Plastik enthaltenen Weichmachern, zur ewrnsthaften Bedrohung der Fisch, und Amphibienbestände. Einige Kondomhersteller wie «Fair Squared» fördern mit der Verwendung von fair gelabeltem Kautschuk auch bio-soziale Projekte.

Weiterführende Links:

  • Möchten Sie nachhaltig leben?  Der WWF hilft Ihnen dabei
  • Wie (un-)ökologisch lebe ich? Test für den individuellen ökologischen Fussabdruck
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