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Palmöl über alles

  • Ölpalmenplantage in Malaysia (c) BrunoManserFonds

Kein Palmöl, der Umwelt zu liebe …

Das Problem

Ich mag es nicht mehr hören, geschweige denn darüber diskutieren, aber das Öl kommt einem quasi zu den Ohren raus!

Und das leidige Palmöl verschwindet auch nicht einfach aus den Lebensmitteln, nur weil wir uns das wünschen, oder weil Konsumenten- und Umweltschutzorganisationen davor warnen.

Wir kennen das Problem, denn wir wissen, um die Brandrodungen in Malaysia und Indonesien, wir wissen, dass für die riesigen Palmöl-Plantagen riesige Flächen von Regenwäldern abgeholzt werden, dass damit Ökosysteme für immer zerstört werden und Tiere und Menschen ihren Lebensraum verlieren.

Wer aber auf Palmöl verzichten will, muss sich Zeit nehmen im Supermarkt, am besten eine Lupe dabei haben und erst noch wissen, unter welchen Kennzeichnungen sich das Palmöl versteckt. So heisst es zum Beispiel: Sodium Laureth Sulfate, Palm Kernel, Palmolein, Palmitate, Stearate etc. Wie Statistiken zeigen, ist das Öl bereits in jedem zweiten Lebensmittel im Grossverteiler zu finden. Hier eine kleine Auswahl: In Pastetli, Engadiner Nusstorte, Toffifee, Vanillekipferlteig, Fertigpizza, Nutella, Gemüsebouillon, Kägi fret und in den meisten Kerzen. Es steckt im Migros-Semmeli, in der Coop-Brezel, in Aldis marinierter Pouletbrust und in Lidls Mehrkornbrot. Aber auch in fast allen Kosmetik- und Reinigungsprodukten ist es zu finden.

  • Hilfe!

    Beim Einkaufen will ich eigentlich keine Zeit verplempern. Also mache ich mir ab jetzt eine Liste mit garantiert palmölfreien Lebensmitteln. Noch einfacher geht es, wenn ich auf vorgefertigte Produkte verzichte, aber auch das ist eine Zeitfrage danach beim Kochen. Der Bioladen ist heute auch kein Garant mehr für palmölfreie Produkte. Leider.

    Bleibt die Frage, habe ich als Konsumentin überhaupt ein Chance?

    Die Schweizer Firma Codecheck hat mit Hilfe von Umweltorganisationen ein kostenloses Werkzeug für Konsumenten lanciert, welches zeigt, ob ein Produkt kritische Stoffe enthält. Mit der App «Codecheck» können Konsumenten einfach herausfinden, welche Produkte problematische Inhaltsstoffe enthalten. Die App gibt auch an, wo Palmöl oder Mikroplastik drin steckt.

  • Wider besseren Wissens

    Während bewusste Konsument*innen ständig versuchen, Produkte mit Palmöl beim Einkauf mit viel Kreativität zu vermeiden, hat der Bundesrat das Freihandelsabkommen mit Indonesien ausgehandelt. Die Zölle für Palmöl werden gesenkt. Das Freihandelsabkommen mit Indonesien ist unterschrieben, das mit Malaysia ist in Verhandlung. Die Konsequenz: Es wird noch mehr billiges Palmöl in die Schweiz schwappen. Die Verarbeiter sind zufrieden und wider besseren Wissens wird fröhlich weiter produziert. Dabei gäbe es lokale Öle und Fette (Sonnenblumenöl, Rapsöl, Butter), für die es weder Brandrodungen, noch lange Transporte oder die Vertreibung ganzer Gemeinschaften braucht.

  • Verantwortungsvoll heisst vorausschauend

    Häufig wird gesagt, der Kunde sei König. Das tönt so, wie wenn wir Konsument*innen es in der Hand hätten, was in den Regalen der Grossverteiler landet. Wir müssten nur zu den nachhaltigeren Produkten greifen und schon wäre das Problem gelöst. Schuld sind also wir, es ist unser individuelles Problem und wir sollen halt einfach richtig entscheiden.

    Für mich ist das eine gravierende Vereinfachung. Nicht nur wir Kund*innen müssen verantwortungsvoll handeln, sondern auch die Regierungen, die Konzerne und die Supermarktketten. Das hiesse, uns vorausschauend vor Schaden zu bewahren. Die Rodungen des Urwalds schaden zuerst einmal der Bevölkerung dort, aber sie schaden auch dem ganzen Planeten und damit auch uns. Im Bericht des Bundesrates zur Klimapolitik steht ganz nebenbei: „Die Schweiz ist vom Klimawandel besonders betroffen, da die Temperaturen hierzulande doppelt so stark steigen wie im weltweiten Durchschnitt.“ Die Zollerleichterungen für Palmöl (durch das Freihandelsabkommen) stehen damit völlig im Widerspruch zu verschiedensten Abkommen und Vereinbarungen, die die Schweiz unterzeichnet hat; Wie z.B. das Klimaabkommen von Paris, die UNO-Agenda 2030 und die erst kürzlich ratifizierte UN-Deklaration zu den bäuerlichen Rechten.

    Was tun?

  • Referendum unterzeichnen – jetzt !

    Dieser Tage hat sich ein Referendumskomitee gegen das Freihandelsabkommen mit Indonesien gegründet. Diese Möglichkeit sollten wir unbedingt wahrnehmen und damit unsere Kritik an solchen Abkommen kundtun. Alle Informationen, Unterschriftenbogen und Argumentarium finden Sie hier: NEIN-zum-freihandel.ch

 

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Ulrike Minkner ist Bäuerin auf dem Hof La Souriche in Mont-Soleil und Uniterre Sekretärin.

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