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Robotik in der Landwirtschaft: ökologische Chance oder Existenzbedrohung für Kleinbauern?

«Digital Farming», der kombinierte Einsatz von Robotik und Informatik in der Landwirtschaft, gilt in Fachkreisen als der kommender Megatrend. Doch während sich die einen vom Digital Farming wahre Wunder versprechen, sehen gerade Kleinbauern darin auch eine reale Existenzbedrohung.

Weit und breit ist auf dem Gemüseacker in Iowa kein Mensch in Sicht. Stattdessen bahnt sich eine sechsbeinige ca 50 cm lange Metallkrabbe ihren Weg durch das Feld. Die Krabbe weicht manchen Pflanzen aus, entfernt andere und bohrt an freien Stellen Löcher in die Erde, pflanzt einen Samen, markiert die Stelle mit einem Spray und wandert weiter.

Eine Szene aus einem Science Fiction Film? Keineswegs. Aliens bei der Konstruktion von kryptischen Kornkreisen? Fehlanzeige. Die Aluminiumkrabbe heisst Prospero, wie Shakespeares, zaubernder Exilherzog von Mailand in «The Tempest» und ist nur einer von zahlreiche Landwirtschaftsrobotern, die Kurz vor der Serienherstellung – stehen.

  • E-Bauern werden in Serie hergestellt

    Schon bald könnte es auf Feldern und in den Weinbergen auch in der Schweiz von Landwirtschaftsrobotern regelrecht wuseln. Das Bundesamt für Landwirtschaft zum Beispiel sieht in der Robotik ein Riesenpotential für eine ökologischere Landwirtschaft. Etwa durch Roboter die – auch hier existieren bereits als Prototypen – die Nützlinge von Schädlingen unterscheiden und letztere mechanisch ausmerzen. Bei Unkraut und Schnecken funktioniert die Technologie schon recht gut. In Naher Zukunft sollen die E-Bauern sogar Feldmäuse aufspüren und töten, den geschützten Feldhamster aber erkennen und verschonen. Bereits in drei Jahren soll der «Bonirob» der Bosch-Tochterfirma Deepfield-Robotics in Serie hergestellt werden. Der Bonirob erkennt selbstständig Unkräuter und stampft diese mittels Metallbolzen kaputt. Ausserdem erkennt Bonirob, welche Pflanzen sich gut entwickeln, welche von Insekten befallen sind etc.

    Schon heute gehört Robotik im Stall und auf dem Acker teilweise zum Alltag:
    Melk- und Futterroboter, die gleichzeitig den individuelle Futterbedarf und die Milchleistung der Kühe registrieren und auswerten findet man auch hierzulande öfter. Roboter die im Weinbau die Reben zurückschneiden und dabei die individuellen Pflanzendaten speichern und auswerten oder Salaternteroboter sind in den USA bereits weit verbreitet. Auch automatische, satelliten-gesteuerte Lenksysteme für Landmaschinen sorgen in zahlreichen Grossbetrieben für grössere Effizienz bei der Aussaat und höhere Erträge.

    Tatsächlich können die Landwirtschaftsroboter die Arbeit der Landwirte massiv erleichtern und den Einsatz von Pestiziden vermindern. Ausserdem würden Miniroboter wie Prospero, die auf leichten Spinnenbeinen herumkrabbeln, statt mit grossen Traktorrädern herumzuwalzen, die Böden weniger verdichten und erst noch mit Elektroantrieb statt Diesel laufen.

    Ausserdem könnten Roboter dabei helfen, grosse Monokulturen in Mischkulturen umzuwandeln. Alles in allem also eine prima Sache im Dienst von Mensch und Umwelt?

    So einfach ist das, wie üblich leider nicht. Es mehren sich auch kritische Stimmen gegen das sogenannte „Digital Farming“, „Precision Farming“ oder auch „Smart Farming“.

  • Digitalisierung fördert die Industrialisierung der Landwirtschaft

    Neben den offensichtlichen Fragestellungen der Arbeitsplatzvernichtung oder der Frage, wie ökologisch batteriebetriebene Elektromaschinen tatsächlich sind, könnten die Agrarroboter wegen der hohen Anschaffungs- und Wartungskosten vor allem Grossbetrieben nutzen und die unerwünschte Industrialisierung der Landwirtschaft beschleunigen. Auch das grosse Interesse an Aggrochemie- und Saatgutkonzernen – namentlich Bayer/Monsanto – lässt aufhorchen. Hat der Konzern doch zuletzt kräftig in die Digitalisierung der Landwirtschaft investiert und strebt in dem Bereich eine Spitzenposition an. Sich nicht an Stelle des Handels mit Saatgut und Pestiziden. Allein Monsanto hat Schätzungen zufolge rund zwei Milliarden Euro in den Auf- und Ausbau der Sparte Digital Farming gesteckt. Und auch Bayer hat das Geoinformationssystem Zoner oder den Diagnose- und Warndienst proPlant übernommen. Weitere sollen folgen.

  • Digitalisierung ermöglicht Zugriff auf sensible Daten

    „Anders als im Konsumentenbereich, wo wir uns schon fast daran gewöhnt haben, dass beispielsweise Amazon unsere Einkaufsvorlieben als Nutzerprofil genau kennt, geht es bei den landwirtschaftlichen Betrieben auch um sensible Betriebsdaten und Geschäftsgeheimnisse, auf die die Konzerne über ihre digitalen Dienstleistungen zugreifen wollen“, warnt Professor Hans Griepentrog vom Institut für Agrartechnik der Universität Hohenheim gegenüber der Welt am Sonntag.

    Kritiker warnen deshalb, das ausgerechnet das Digital Farming die Bauern weltweit noch abhängiger von Bayer/Monsanto und andere Saatgut und Aggrochemiekonzernen macht, als die es ohnehin schon sind. Und der Businessplan sieht sicher nicht vor, weniger Pestizide zu verkaufen.

 

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